Serie: Vier Wochen Hawaii - Oahu Teil III











5.Tag, Oahu

Eigentlich unübersehbar: Kono's
Heute steht der Tag ganz unter dem Vorzeichen der amerikanischen Kultur. Zuerst kulinarisch, dann kulturgeschichtlich. Auch der kleine Aufpasser über unser Reisebudget muss heute schweigen. Wir verzichten auf ein weiteres Frühstück aus Toastbrot und überteuertem Käse ohne Geschmack in unserer Gemeinschaftsküche und beschließen, frühstücken zu gehen. Die kleine Bar Kono's in Haleiwa, die wir nach der Lektüre unseres Lonley Planet auserkoren haben, finden wir allerdings erst nach einigem Hin- und Herlaufen. In einem Areal voller Shops und Restaurants, befindet sich die kleine Veranda und die Eingangstür zur Hauptstraße hin, die durch Haleiwa verläuft. 

Lecker frischer Bagel mit Sprossen
Es ist ca. 11 Uhr und einiges los. Wir bestellen einen mit Quark und Sprossen belegten Bagel und einen Gemüse-Wrap sowie american coffee und Eiskaffee mit Sojamilch. Auf der Veranda finden wir noch ein Tischchen, das am Grünstreifen der Straße steht. Dort wimmelt es nur so von kleinen Vögeln, aber auch ausgewachsenen Hühnern und Hähnen. Vor einigen Jahrzehnten sind bei Wirbelstürmen einige Hühnervolieren demoliert und somit geöffnet worden. Das Vogelvieh, das man heute auf fast allen hawaiianischen Inseln überall picken sieht, sind die Nachfahren dieser Ausreißer. In ihrem Auftreten ähneln sie unseren heimischen Tauben, aber irgendwie sind sie doch schöner anzusehen.
Kleine exotische Vögel singen für uns



Ein freier Hahn










Wir lassen uns das Frühstück auf jeden Fall richtig schmecken und fühlen uns nun gestärkt genug, uns der eigentlichen, indigenen Kultur Hawaiis zuzuwenden.

Auf dem Kamehameha Highway fahren wir weiter in den Osten zum Polynesian Cultural Center in Laie. Ich will unbedingt etwas über die wahre hawaiianische Kultur erfahren und wissen, welche Menschen sich diese Inseln im Nirgendwo ausgesucht haben, um hier zu leben. Woher kamen sie? Wie sahen sie aus? Wie kamen sie her? Was war ihr technisches Wissen? Was trugen sie für Klamotten? Wie funktionierte ihr Miteinander? Welche kulturellen Riten hatten sie? 

Beim Parken vor dem Cultural Center ahnen wir schon, dass wir hier wieder vor einer touristischen „Top Attraction“ stehen. Massen von Menschen aller Hautfarben und höchstwahrscheinlich auch Nationalitäten drängen sich auf dem offenen Platz vor dem Haus, wo es die Eintrittskarten zu kaufen gibt. Der Platz erinnert an einen Weihnachtsmarkt ohne Schnee oder ganz einfach an Disney Land mit seinen kitschig bunten Holzbuden, wo man überall Schmuck, Süßigkeiten, Souvenirs oder Würste kaufen kann. Noch sind wir auf der eintrittsfreien Seite, aber diesmal gibt es kein Zurück.
Diesmal lassen wir uns von den horrenden Preise nicht abschrecken, zahlen ohne mit der Wimper zu zucken und treten mit den Karten in der Hand ein, in einen riesigen Park mit Flüsschen und Seen, verschiedenen „Ländern“ mit Häusern in der dazu passenden Architektur, einem Kino (und was für eins!), Showbühnen, Verkaufsbuden alle 200 Meter und Restaurants mit „echtem“ Luau, dem traditionellen hawaiianischen Festgericht mit im Erdofen gebratenen Schwein. Zunächst ist uns gar nicht klar, wie wir das alles besichtigen sollen. Beim Kartenkauf haben wir eine Uhrzeiten Tabelle in die Hand gedrückt bekommen, auf der wir ablesen können, wann es wo welche Vorstellung gibt: Bogenschießen in Tonga um 12:30h, Trommeln in Tahiti um 12:45h, Verarbeitung von Kokosnüssen in Hawaii um 12:55h usw. Jede Stunde werden vier Aktivitäten angeboten, jede in einem anderen „Land“, jede nicht länger als 15 Minuten. Zum Glück wiederholen sich die Angebote ca. alle zwei Stunden in einem für uns nicht nachvollziehbaren Algorithmus. Bis zum Ende des Tages schaffen wir es nicht, alles mitbekommen. Mut zur Lücke.

Einer redet, einer arbeitet
Wir halten uns rechts vom Fluss und stolpern gleich über die erste „Vorführung“: Indigen aussehende Männer in der Verkleidung von Wilden, wie man sie sich an Karneval vorstellt, erklären die Herstellung von Poi, einem wichtigen Grundnahrungsmittel der Polynesier, das aus der Taropflanze hergestellt wird. Es schmeckt nicht nach viel, also auch nicht schlecht, ein bisschen gummerig, ein bisschen fade. Aber als Süßspeise mit Früchten oder Zucker versetzt, kann ich es mir gut vorstellen.
Später erfahren wir, dass hier viele Studenten jobben, um ihr Leben zu finanzieren. Meist kann ich mir die Männer und Frauen auch besser in Shorts vorstellen, als ihnen den Plastiklendenschurz abzukaufen, in dem sie vor uns stehen. 


Die Kraft des Auftritts ist wirklich beeindruckend
Wir lassen uns weiter treiben und kommen gerade richtig zu einer Vorführung in „Samoa“. Im großen Festhaus aus Holz und Bambus sind die Stuhlreihen schon fast ganz gefüllt. Die Vorstellung beginnt: Eine Gruppe „Studenten“ kommt auf die Bühne und trägt uns einige samoanische Tänze mit Musik vor. Dazwischen sagt der Moderator immer den Inhalt des nächsten Tanzes an: Jetzt ein Kriegstanz, jetzt für die Fruchtbarkeit, jetzt für die Rache an einem Getöteten etc. Die Kraft, die von diesem martialischen Gestampfe und Geschrei ausgeht, ist wirklich beeindruckend. Wenn die zehn Männer und Frauen auf der Bühne anfangen zu brüllen, zittert das ganze Haus. 

Noch fehlt der Hüftschwung
Aber nach 15 Minuten ist alles abrupt zu Ende und die Zuschauer springen auf, um draußen auf dem Vorplatz des Hauses noch ein Spiel auszuprobieren. Hilfsbereite Samoa-Studenten reichen den Touristen je zwei längere Kordeln an denen jeweils ein schwerer Ball aus Leder befestigt ist. Nun gilt es dieses „Waffen“ so kunstfertig über und neben sich zu schwingen, dass die Geschwindigkeit steigt, ohne sich die Bälle gegen den Kopf oder die Schultern zu hauen. Ich versuche es und es macht auch ein bisschen Spaß, obwohl es nicht leicht ist. Das Witzigste daran, ist die Menschen um mich herum zu beobachten. Da ist ein großes Hallo! Die amerikanischen Kinder und ihre Eltern sind begeistert.

Langsam beginne ich zu begreifen, wie dieses „Center“ funktioniert: Hier geht es nicht um Wissen. Informationen zu den polynesischen Völkern, die Hawaii vor mehreren tausend Jahren bevölkerten, muss man suchen wie das Kleingedruckte. Zwar ist der ganze Park sehr ansprechend aufgearbeitet und die Mitarbeiter sehr nett, aber inhaltlich fehlt uns doch der Tiefgang.

Hawaiianer first
Als Nächstes finden wir uns zur großen Völkerparade auf dem Wasser ein. Hier ist es nun wirklich voll. Wir kaufen uns ein paar Nüsse zum Knabbern und zwei Smoothies und ergattern gerade noch ein paar Plätze in der zweiten Reihe. Auf Flößen gleiten kurz darauf einige Auserwählte ihres Stammes von rechts nach links über den Fluss, drehen ein paar Kreise und gleiten wieder zurück. Dieses Schauspiel wiederholt sich, bis alle Völker von Aotearoa bis zu den Fijis an uns vorbeigefahren sind. Danach gibt es noch eine Abschlussparade mit allen. Dann erlischt die Untermalungsmusik wieder und alle Touristen erheben sich von ihren Plätzen.

Eventuell Samoaner


Ein Floß aus Tahiti

Damen aus Aotearoa
Danach geht es weiter nach Tonga, dort gibt es ein Trommelspiel. Auf Knien sitzt man sich zu zweit gegenüber und wird angeleitet mit den zwei Holzstöcken in seiner Hand, einen bestimmten Rhythmus auf den Boden zu klopfen. Dann kommt die zweite Schwierigkeitsstufe: Während des Klopfens, wird jeweils ein Schlegel dem Partner gegenüber in die Hand geworfen und man muss den vom Partner auffangen. Es klappt zunächst weniger gut, aber dann sind wir drin. Die beiden halbnackten Studenten freuen sich, dann müssen wir aufstehen, die nächsten Touristen warten schon.

Zwei haben Spaß
Wir verlaufen uns zu einem Bühne mit Orchester, wo gerade vor ca. 100 Menschen eine Show abläuft. Hier werden die Zuschauer miteinbezogen. Mal dürfen sie „Wuuuuhaaa“ brüllen, mal müssen sie klatschen. Als Höhepunkt werden Freiwillige auf die Bühne geholt und dürfen zusammen mit dem indigenen Orchester musizieren. Wir haben das Glück einen sehr witzigen, weil total trotteligen Asiaten zu sehen, der wohl tatsächlich nicht versteht, was der Moderator aka Vortrommler von ihm will. Stets trommelt er zu früh oder zu spät oder in einem komplett eigenen Rhythmus. Vielleicht macht er auch einfach eine gute Show für seine Gruppe im Publikum. Die Menge hat auf jeden Fall Spaß und auch der Vortrommler scheint nicht oft einen so vertrottelten Mitspieler bändigen zu müssen.

Künstlich und wunderschön, im Hintergrund das Kino
Als es anfängt zu tröpfeln, beschließen wir doch ins Kino zu gehen. Eigentlich hatten wir das für uns ausgeschlossen, denn wer geht schon im Sommer am helllichten Tag ins Kino, wenn er zwischen Tonga und Tahiti hin- und herlaufen kann? Nun lassen wir uns aber auf den 20-minütigen 3D-Film ein. Am Eingang wird groß darauf hingewiesen, dass man hier mit Herzschrittmacher oder epileptischen Erkrankungen nicht reingehen sollte. Okay... wir sind gespannt. In dem Kino, das sicher locker 500 Menschen fast, sitzen wir nun mit ca. 15 anderen Menschen und warten gespannt bis es losgeht. Es ist kalt in den nässlichen Klamotten. Die Klimaanlage mal wieder. Wir setzen die 3D-Brillen auf und los geht es. Der Film zeigt die wunderschöne Natur Hawaiis: Die Strände, die Unterwasserwelt und die Berge werden teils hautnah ertastet. Ein Extra ist das 4D-Erlebnis: Meereswasser spritzt uns ins Gesicht, eine kalte Brise haucht uns an (oder war das die Klimaanlage?) und dann kommt doch noch ein Überraschungsmoment. Die Stuhl unter mir hat schon die ganze Zeit vibriert. Wir fliegen mit einem Flugzeug über die saftigen Hänge Richtung Meer, dann kommen die Klippen und anstatt einfach darüber wegzufliegen, kippen wir senkrecht nach unten und mein Stuhl drückt mich nach vorne! Wow! Ich falle die Klippen hinab, bis es kurz vor dem Strand wieder raus aufs Meer geht! Wirklich sehr beeindruckend. Ein tolles Erlebnis, um die eindrucksvolle hawaiianische Natur in ihrer vollen Pracht zu erleben. Ja, leider kann man viele Eindrücke nur aus der Luft gewinnen und manche Kulisse nur vom Meer aus sehen. Die wunderschöne Napali Coast auf Kauai, von der wir gerade „gestürzt“ sind, möchte ich nun unbedingt auf unserer Reise sehen! 

Unser Zeitplan weist uns nun auf eine Kokosnuss-Aktivität hin. Also trotten wir in Richtung der kleinen Holzbude voller Kokosnüsse, vor dem einige Bierbänke stehen und setzen uns gleich in die erste Reihe. Als Deutsche sind wir pünktlich und müssen noch ein bisschen warten, bis sich die Bänke gefüllt haben und es losgeht. Ein durchtrainierter, gut gelaunter Student mit Lendenschurz beginnt kurz drauf mit der Einführung ins Kokosnusswissen. Fragen an die Zuhörer: Was kann man alles aus Kokosnuss machen? So gut wie alles. Er presst daraufhin ein paar Kokosnüsse aus, spricht über die heilende Wirkung dieses Wassers und lässt uns raten, wie viele Kokosnüsse eine Palme so tragen kann. Danach zeigt er uns noch die Herstellung von Kokosnussöl und lässt eine Probe davon im Publikum rumgehen. Jeder darf sich damit einreiben. Die weiblichen Amis sind begeistert. Der Student macht das wirklich sehr locker und lustig, ein richtiges Showtalent. Irgendwie werden wir das Gefühl nicht los, dass es eben gerade nur darum geht: Show vor Inhalt. Keiner will etwas über den Anbau und die Ernte bzw. die außergewöhnlichen Eigenschaften der Kokosnuss wissen. Informationen werden höchstens gestreift. Alle möchten etwas essen, trinken und das Öl ausprobieren. Es ist ja auch eine schöne Sache, den restlichen Tag als Erinnerung nach Kokosöl zu riechen.

Hawaii State Flower - der Hibiskus
Zum Abschluss unseres Besuches im Polynesian Cultural Center, streifen wir noch einmal durch ein paar „Länder“ und betrachten die unterschiedlichen Dekore der Innenausstattung und stolpern dann zufällig in eine Aktivität, die gerade dabei ist zu beginnen. Zwei nicht mehr ganz so begeisterte Studentinnen aus Tonga, unterweisen uns und eine handvoll weiterer Touristen in die Kunst des Fischchenbastelns. In eingeübter, heruntergeleierter Art, erklären sie die Abfolge des Schlingens, Legens, Haltens und Zupfens an den Farnen, die wir vor uns liegen haben.

Fischli
Erst als sich ein Gespräch entwickelt und sie bemerken, dass wir aus Deutschland kommen, tauen sie ein bisschen auf. Ja, Germany, ist wirklich weit weg. Great to have you here! Und wir erkennen, dass wir uns zwar unter all den Amis ziemlich fremd vorkommen, dass wir aber nun mal genauso (naja!) aussehen wir sie und deshalb wohl eher keiner drauf kommt, dass wir eventuell Portugiesen, Iren oder Griechen sein könnten. 
Leider erfahren wir auch nicht eindeutig, was wir nun wirklich gebastelt haben: Ein Spielzeug für Kinder, die sich damit überall durch das Center jagen? Oder ein archetypisches Fischfanggerät mit dem man durch das Schleudern nach vorne, die Lasche engziehen kann?
Auf jeden Fall sehen unserer Basteleien aus wie exotische Tropenfische und wir laufen ganz frohgemut damit herum, auch wenn wir sonst nur Kinder damit spielen sehen :-) Am Abend verfrachten wir unsere Fischlis vorsichtig im Auto, passen die nächsten Tage extrem auf sie auf... und lassen sie am Ende als Dankeschön auf dem Essentisch der Gemeinschaftsküche liegen. Wir sind sicher, dass Jérome etwas mit ihnen anfangen konnte. 

Doch bevor wir das Center verlassen, geschieht noch etwas fast Unglaubliches: Wir sehen zwei bekannte Gesichter! In einem Bus, der gerade das Gelände verlassen will und auf die sich hebende Schranke wartet, lächeln und winken uns zwei Mädchen zu, die uns irgendwie bekannt vorkommen. Verrückt! Katie und Shila haben anscheinend zusammen mit anderen Mormoninnen einen Ausflug in das Polynesian Cultural Center gemacht. Wir winken zurück und sind kurz verwirrt über diese unerwartete Begegnung.

Gemütlich auf den Fidjis
Ted's berühmte Bakery
Nachdem wir das Center verlassen haben, suchen wir in unserem Lonely Planet eine Adresse für vegetarische Nahrung - und werden mal wieder fündig: Ted's Bakery wird uns so schmackhaft gemacht, dass wir dort halten, obwohl wir sie ohne Hinweis bestimmt nicht ausgewählt hätten. Das kleine bemalte Betongebäude mit Flachdach, hat den Charme einer ehemaligen Tankstelle oder eines Untergrundnachtclubs. Wir trauen uns trotzdem hinein und sind sofort positiv überrascht. Links in den Kühlschränken stehen verschiedenste "Pies" zur Auswahl und auf der Karte finden wir einen Veggie-Burger mit Pommes. Yeehaa! 

Esskultur wie bei McDo - aber LECKA
Erst jetzt merken wir, wie hungrig wir eigentlich sind. Im Polynesian Center gab es an den Büdchen für Vegetarier eher weniger zu kaufen und das berühmte geschmorte Schwein wollten wir auch nicht zum Abendessen probieren. Tipp: Selbst Essen und Trinken mitbringen... dafür waren wir irgendwie zu doof.
Also bestellen wir zwei Burger und weil wir uns nicht zwischen den Pies (große Kuchenstücke mit dicker Crème) entscheiden können, nehmen wir davon einfach drei. Der mit Haupia, einem Kokosnussmuß, ist wohl der Klassiker bei Ted's. Uns schmeckt aber Lilikoi Cheese (Maracuja) und Chocolate Cream (eine wahre Bombe) besser. Aber auch der Burger davor war mega lecker ;-)

Nach einer kurzen Fahrt, kommen wir noch bei Helligkeit an unserer Farm an. Im Gemeinschaftsraum treffen wir auf eine witzige Szene: Annie, einen Männerhut tragend, sitzt am Esstisch und tippt auf ihrem Laptop herum. Jérome flattert um sie herum und steckt ihr mal links, mal rechts eine seiner gesammelten Federn an den Hut. Sie lässt es über sich ergehen und versucht freundlich zu sein, wie man als große Schwester freundlich wäre, mit dem sehr viel jüngeren Geschwister, das es ja nicht böse meint. Jérome selbst ist ganz begeistern von seinem Werk. Immer wieder prüft er von vorne, ob der Anteil der Federn links oder rechts überwiegt und passt das Verhältnis nach seinen Maßstäben an. Wir setzen uns an den Tisch dazu und nehmen unsere Handys heraus, gehen ins Internet und schreiben ein paar Nachrichten. Als der ältere indigene Feldarbeiter hereinkommt, sich die Szene besieht und nach der Herkunft der Federn fragt, wird er von Jérome aufgeklärt. Sein Englisch muss man sich mit einem deutlichen französischen Akzent vorstellen: "I was hiking, over there. I followed the road, but then, the road gets narrow. Very narrow. And there were many feathers! It's from the peacock. Beautiful isn't it? There are so many feathers! I collect all. They are so fluffy!” Jérome ist ganz begeistert von seinem neuen Hobby, das er anscheinend ja schon ein paar Tage lang pflegt und auch der Mitarbeiter ist beeindruckt. Annie muss sich noch ein paar Mal drehen, dann ist Jérome mit seinem Werk zufrieden und in den nächsten Tagen sehen wir ihn selbst mit diesem Hut herumspazieren, ganz wie ein menschlicher Pfau.

Im Park einer Resortanlage von Waikiki

6. Tag, Oahu

Langsam neigt sich unser Zeit auf Oahu dem Ende zu. Nur noch zwei Tage! Und immer noch gäbe es so viel zu entdecken! Da wir im Norden bei Haleiwa wohnen und mit der Großstadt Honolulu gar nicht so viel zu tun haben wollten, haben wir bis jetzt viel Zeit auf der nördlicheren Hälfte der Insel verbracht. Heute soll es runter an die Ostküste gehen, wo die Wohlhabenderen seit Jahren ihre Häuser und Villen bauen, wo es wunderschöne Strände gibt und wo wir hoffentlich das Anwesen von Magnum finden, dem berühmten Detektiv der 80er Jahre. Er war einer der drei Gründe, die uns dazu brachten, nach Hawaii zu fliegen: Vor vielen Jahren schon hatte Paul alle Folgen aller Staffeln geschaut und einige Jahre später alles noch einmal, teils mit mir, wiederholt. Als die letzte Folge gelaufen war, fiel er regelrecht in ein Loch. Magnum war zu seinem Freund geworden. Er vermisste den Humor und den Charme seines Freundes, die beiden guten Kumpels TC und Rick, die Sonne und das Meer, den Lifestyle der 80er Jahre und im Besonderen den Style des leichten Insellebens. In dem beeindruckenden Buch von Meike Winnemuth „Das große Los“, hatten wir eine Beschreibung gelesen, wie man heute noch an Magnums berühmtes Anwesen herankommen kann: Bei Ebbe am Meer entlangwaten. Die ungefähre Adresse stand auch dabei, also wollten wir es probieren.

Am Lanikai Beach
Wir fahren also Richtung Süden, um die Insel dann nach Osten zu durchqueren. Dieser Highway wird täglich von vielen Pendlern benutzt, die zwar in Honolulu arbeiten, aber doch lieber abseits des Großstadttrubels an der sonnig-strandigen Ostküste wohnen wollen. In Kailua genehmigen wir uns einen Smoothie von Lanikai Juice, einer Kette, die es auf Oahu an mehreren Orten gibt, und die ihr Angebot schon ziemlich professionell aufgefächert hat. Danach schmeißen wir uns erst mal an den Lanikai Beach Park mit Blick auf zwei kleine Inselchen. Hier irgendwo hat auch Obama, der ja aus Hawaii stammt, sein Mega-Anwesen/Urlaubsdomizil.
Einfach nur schön und doch voller als erwartet
Ebenso nicht weit entfernt ist die Marine Corps Base Hawaii: Als Halbinsel nur schwer zugänglich und nach drei Seiten offen, also ein strategisch perfekt gelegener Ort. Davon bekommen wir aber an unserem Strand gar nichts mit, sondern wir genießen einfach mal das süße Nichtstun und chillen in der Sonne. Das Wasser ist so herrlich warm, aber immer noch erfrischend, die Sonne ist durch die leichte Bewölkung nicht allzu stark und um uns herum sind Strandgeräusche: Kreischende Kinder, lachende Paare, ballspielende Jugendliche und nicht zuletzt die Gruppe mit der lauten Musik. An jedem Strand, an dem wir lagen (und es waren wirklich unzählbar viele) gab es immer genau eine Freundes- oder Familiengruppe (aber nur eine!), die übertrieben laut Musik abspielen ließ.
Alles ziemlich gechillt am Lanikai Beach
Vielleicht ist das hier ein ungeschriebenes Gesetz nach dem Recht des Lautesten: „Wer zuerst am Lautesten ist, wird nicht getadelt und darf auch nicht durch noch lautere Musik übertönt werden. Der ganze Strand muss sich dem Musikgeschmack dieser Gruppe beugen.“ Wir finden es zunächst befremdlich, doch dann gewöhnen wir uns daran – so ist es ja oft beim Reisen.

Nach ein paar Stunden geht es weiter und nach kurzer Fahrt halten wir am Waimanolo Beach Park. Auch hier wieder das gleiche Bild: Recht viele Sonnenhungrige, aber nicht nur Touristen. Viele Kinder und Grüppchen, die ein Barbecue vorbereiten. Jedenfalls deutlich mehr als an der Northshore, was wahrscheinlich daran liegt, dass man dort eher Surfen kann und nicht so gut mit Kindern baden. Beach Parks sind außerdem bei den Einheimischen extrem beliebt. Sie sind nämlich etwas komplett anderes als normale Beaches.
Waimanolo Beach
Einfache Strände sind fast nirgends aufgeführt und man muss sie kennen oder mit Beschreibung suchen, wenn man sie finden will. Nicht, dass es wenige von ihnen geben würde, aber sie scheinen für die Hawaiianer nicht richtig zu gelten ODER sie sollen von Touristen nicht gefunden werden.
Beach Parks hingegen sind am Meer entlang gezogene Parks mit Wiesenflächen, um die sich die Stadt kümmert. Es gibt Toilettenhäuschen aus Stein und mit Waschbecken und manchmal gibt es sogar Duschen und Trinkwasserspender. Alles umsonst. Auf den Grünflächen stehen in 20 Metern Abstand kleinere oder größere Holzpagoden unter denen man seine Picknickbänke aufstellen kann und die komplette Großfamilie zum Geburtstag oder einfach nur zum Wochenendgrillen einladen kann. Grillstellen sind natürlich auch vorhanden, wenn auch nicht so zahlreich, aber das macht nichts, denn meist bringen die feierlaunigen Grüppchen eh mehrere eigene Grills mit. Diese Beach Parks sind schon eine ganz eigene Sache. Das Meer spielt hier eher eine untergeordnete Rolle, zwar springen ab und zu ein paar Kinder durch den Sand am Strand und planschen auch mal im Wasser, aber den Großteil der Zeit verbringen die Hawaiianer um ihren gut gedeckten Tisch bzw. Grill und reden, essen und hören Musik.

Als wir weiterfahren, bemerken wir, dass Magnums Adresse eigentlich schon hier irgendwo sein sollte. Also halten wir die Augen offen und versuchen die hawaiianische Straßensystematik und ihre Nummerierung zu verstehen. Links ist das Meer, rechts oft eher bergiges Gelände. Wo soll hier eine Villa direkt am Meer sein? Als wir am Sea Life ankommen, denken wir, dass wir schon zu weit gefahren sind und drehen wieder um. Aber auf der Meerseite sehen wir so gut wie keine Häuser, die in Frage kommen könnten. Mist. Haben wir vielleicht nicht richtig gelesen. Sollten wir einen Strand suchen und von dem aus wandern, anstatt von der Straße aus zu gucken? Schade, wir sind enttäuscht. Aber wir trösten uns damit, dass wir ganz in der Nähe sein müssen und dass Tom Selleck diese Straße wohl viele Male von und nach Honolulu gefahren ist und von der Straße aus die gleiche berauschende Aussicht genossen hat wie wir.

Blick vom Makapuu Lookout Richtung Süden
Am Makapuu Lookout parken wir und steigen aus. Die Sonne ist schon ziemlich niedrig, als wir noch einige Fotos schießen. Danach geht es auf dem Kalanianaole Highway ziemlich fix nach Waikiki. Den Hauskrater Honolulus, Diamond Head, lassen wir links liegen und sind auch nicht traurig drum. Wir haben vor, auf Maui und Big Island „richtige“ Vulkankrater zu besichtigen, dieses Miniding ist nur was für Touristen, die in Waikiki wohnen und nur zwei Tage Zeit haben. 



Blick vom Lookout Richtung Norden, über diese Straße sind wir gekommen: Wo hat Magnum nur sein Anwesen?
Abendstimmung am Strand von Waikiki

Heute Abend wollen wir uns mal ein bisschen den berühmten Strand von Waikiki angucken. Parkplätze sind spärlich gesät und alles ist extrem überlaufen, aber wir finden beim Zoo einen weniger teuren Parkplatz und spazieren nun also von Süden den Strand hinauf. Die Sonne ist gerade am Untergehen, aber im Wasser ist noch sehr viel los. Obwohl das Meer hier fast spiegelglatt ist wie am Bodensee, tummeln sich weiter draußen viele Surfer und Surfanfänger auf ihren Brettern. Der schmale Strand selbst ist auch wirklich überfüllt und wir sind froh, dass das nicht unser Bild von Oahu bestimmen wird. Auf Oahu leben 60% aller Hawaiianer und innerhalb Oahus ebensoviele in Honolulu. Kein Wunder, dass uns hier alles überlaufen vorkommt. Schon in den 40er Jahren fing der Bauboum an und auch wenn heute immer mehr Reglementierungen den Küstenstreifen vor der Verbauung schützen, ist es in Waikiki leider schon zu spät. Manche Restaurants und Hotels stoßen mit ihren Bauten fast ins Wasser, Bars und Kneipen haben ihre Terrassen mitten auf dem Strand und Wellnessressorts haben ihren Whirlpool keine 50 Meter vom Meer aufgebaut. Dazwischen ein schmaler Streifen Strand, der öffentlich ist und uns immer wieder verwirrt durch eine Resortanlage latschen lässt. 
Baum, der auf Armen läuft

Wir besichtigen den Platz mit einem riesigen Baum, der seine Äste oder auch Schlingen nach dem Boden auswirft und sich so weiterpflanzt – in Taiwan heißen diesen Art von Bäumen ganz logisch: Baum, der auf Armen läuft. 


Duke Kahanamoku, Surfer
Und wir machen ein obligatorisches Tourifoto vor dem Denkmal für Duke Kahanamoku, dem ersten echten hawaiianischen Surfer, der seinen Sport Mitte des 20. Jahrhunderts auf der ganzen Welt bekannt gemacht hat, in dem er als berühmter Schwimmathlet auf allen seinen Auslandsreisen sein Surfboard mitnahm.

Als sich langsam der Hunger meldet, beschließen wir umzukehren und auf der Einkaufsstraße, die ebenfalls parallel zum Meer verläuft zurück zum Auto zu gehen. Hier reiht sich ein schickes Hotel an das nächste und Cartier, Gucci und Chanel sind alle nebeneinander vereint. Es gibt sehr viel Glas und glänzendes Metall, die Bürgersteige sind breit, aber trotzdem voll und überall sieht man schicke Asiaten und Asiatinnen mit großen Einkaufstüten.

Blick auf Waikiki Richtung Süden und Diamond Head

Zuhause angekommen gibt es wieder eine nette Überraschung: Jérome hat leckere Plätzchen im Ofen gebacken! Sie sehen aus wie deutsche Pfauenaugen (Ist das ein Zufall?) und sind vegan. Den Teig hat er aus allen möglichen Mehlsorten, die sich noch auf dem Gemeinschaftsregal fanden, zusammengemischt und die Marmelade ist selbstgemachte Erdbeermarmelade. Wir bekommen gleich zwei warme Kringel in die Hand gedrückt, und was sollen wir sagen? Wow, die sind richtig lecker! Dass es nun schon sein dritter (und bester) Versuch war, die Dinger in diesem vorzeitlichen Ofen weder zu roh noch zu verbrannt hinzubekommen, lässt uns die Plätzchen nur noch mehr genießen. Wirklich unheimlich gut!

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