Veggie auf Hawaii



*** Rund ums Essen und Trinken ***

Hawaii hat eine riesige Auswahl an abwechslungsreichen, gesunden und dabei unglaublich leckeren Angeboten für Vegetarier. Zum einen gibt es in dieser sowohl westlich als auch asiatisch geprägten Region die volle Auswahl an globalen Produkten, aber aufgrund des günstigen Klimas auch eine Vielzahl lokaler Lebensmittel. Hinzu kommt, dass die nativen Hawaiianer stark mit der Natur verbunden sind und auch viele der hergezogenen US-Amerikaner die fantastische Natur, wegen der sie auf die Inseln gezogen sind, durch lokale Produkte schützen wollen. Deshalb gibt es auf den Inseln viele „Buy local“-Initiativen. Leider sind lokale Produkte allerdings – wie in Deutschland auch oft – mindestens so teuer wie importierte. Was in Deutschland beim Import aus produktionstechnisch günstigeren Ländern noch irgendwie nachvollziehbar ist, überrascht uns hier immer wieder. Denn abgeschiedener als Hawaii kann ein Land eigentlich gar nicht liegen, sodass der Transport doch ein Vermögen kosten muss, vor allem wenn „nur“ 1,4 Millionen Menschen damit versorgt werden müssen. Was wir von Stacey, einer unserer Vermieterinnen, allerdings erfahren, ist, dass die Hawaiianer gerne bereit sind, mehr für lokale Produkte auszugeben, weil sie die Landwirtschaft unterstützen wollen und deshalb bereit sind, auch höhere Preise in Kauf zu nehmen. In den letzten Jahren wächst das Bewusstsein für den ökologischen Lifestyle und immer mehr Menschen versuchen, mit ihrem Kaufverhalten die Lebensmittelproduktion langfristig zu verändern. Daran haben wir uns natürlich ein Beispiel genommen und immer nach den „Made in Hawaii“- oder „Locally grown“-Schildern Ausschau gehalten. Das Schöne hierbei ist: Anders als in Deutschland gibt es selbst in kleinen Supermärkten eine ordentliche Auswahl an Bioprodukten aus regionalem Anbau, sodass es einem leichter fällt, die kleinen Läden zu unterstützen.

Schon bei unserer ersten Unterkunft kommen wir direkt mit der hawaiianischen Landwirtschaft in Kontakt: Wir übernachten auf Oahu in der Nähe von Waialua/North Shore auf einer „Organic Farm“. Das Konzept ist faszinierend: Am Rande des Regenwalds gelegen, auf lehmigem Boden, meinen wir, hier noch richtig erkennen zu können, wie dieses Land urbar gemacht wurde – und wie es ein ewiger Kampf mit der Natur ist, die Felder nicht überwuchern zu lassen. Denn mindestens so gut wie hier Nahrungsmittel wachsen, wächst eben auch Unkraut. Da hier Bio-Landwirtschaft betrieben wird, müssen die ArbeiterInnen also fast täglich Pflanzen mähen und herausreißen, die dem Gemüse zu nahe kommen. Hierfür setzt Marc, der Eigentümer der Farm, hauptsächlich Woofer ein. Wir werden zum Beispiel am ersten Tag von Annie begrüßt, die eigentlich vom Festland kommt und hier teilweise auf dem Feld arbeitet und sich teilweise um zahlende Gäste wie uns kümmert. Sie erzählt uns, dass die Woofer in Zelten schlafen und vom Leben hier, das sich weitgehend auf der Farm abspielt, weil keiner der Woofer ein Auto hat und deshalb die Küste oder eine Stadt nur dann erreicht werden können, wenn Marc sein Auto mal nicht braucht. Selbst wir mit unserem Mietwagen fühlen uns sehr bald weit weg von allem anderen Leben, weshalb wir annehmen, dass die Woofer hier schon auch die Einsamkeit gesucht haben.

Faszinierend sind aber auch die riesigen Supermärkte. Wir kennen zwar diese übergroßen Läden auch aus unseren Reisen nach Frankreich, aber hier erscheint es uns alles doch noch maßloser, riesiger, amerikanischer eben. Als Deutsche empfinden wir Deutschland immer als Mutterland der Bioprodukte, die es ja schon Jahrzehnte in Reformhäusern und kleinen Lädchen zu kaufen gibt. Was die Amerikaner uns aber eindeutig voraushaben, ist, den „Organic Lifestyle“ sexy zu machen. Für viele Deutsche – es werden wahrscheinlich immer weniger – bedeutet bio irgendwie auch Verzicht. Weil Verzicht keine Stärke der Amerikaner zu sein scheint, hat die Lebensmittelindustrie reagiert und bietet so viele Bioprodukte an, dass wir uns kaum sattsehen können. Besonders die Auswahl an vegetarischen und auch veganen Convenience-Produkten ist enorm. Hier gibt es so viel mehr Auswahl an Fleischersatz-Produkten und Fertiggerichten damit, dass wir schon ein bisschen neidisch werden. Die grellen Verpackungen würden den deutschen Kunden wahrscheinlich ein bisschen abschrecken, aber wir probieren trotzdem ein paar Sachen – und werden geschmacklich nicht enttäuscht. Also: "Don't panic, it's organic!"

Kaffeebohnen am Baum
Exkurs Kaffeeplantagen. Als bekennender Kaffeeliebhaber war für mich natürlich der Besuch mindestens einer der hawaiianischen Kaffeefarmen obligatorisch. Dementsprechend wird dieser Artikel über Kaffee ein bisschen ausführlicher als vielleicht nötig. Auch wenn man als Vegetarier bzw. sogar als Veganer seinen Kalorienhaushalt nicht ausschließlich mit Kaffeekonsum bestreiten kann, ist es doch dieses i-Tüpfelchen an Genuss, das für mich die Hawaiireise abgerundet hat.
Cori macht sich unverständlicherweise eher wenig aus Kaffee, aber auch sie war von der Menge der verschiedenen Kaffeesorten, die es überall zu kaufen gab, beeindruckt. In den Supermärkten muss man allerdings aufpassen: Viele Kaffees versprechen „hawaiianischen Kaffee“, sind aber im Endeffekt nur eine Mischung mit geringem Hawaii-Anteil. Besser sind da die vielen kleinen Kaffee-Farms, die man auf allen Inseln findet, besonders zahlreich aber auf Big Island. Dort passte eine Führung leider nicht mehr in unseren Zeitplan (denn wir hatten unterschätzt wie "Big" dieses Island ist), sodass wir am Ende je eine Farm auf Maui und Kauai besuchten.
Kleiner Park der Green World Coffee Farm
Auf Maui war das eher zufällig. Wir fuhren von unserer Unterkunft an der North Shore in Richtung Dole Plantation und kamen direkt an einer Highway-Kreuzung an einem kleinen Blech-Gebäude vorbei, das mit Kaffee-Bohnen Werbung machte. Kurzerhand bogen wir auf den Schotterparkplatz ab und standen vor dem Gebäude der Green World Coffee Farm, die in unserem Lonley Planet gar nicht angegeben war. Im schummrigen Inneren gab es ein Café und dahinter einen kleinen Laden, in dem es ca. 30 Sorten Kaffee, alle möglichen Arte von Tassen und Bechern sowie jegliche Art von Kaffee-Souvenirs zu kaufen gab. Kaum hatten wir den Laden betreten, wurden wir von einer jungen indigenen Hawaiianerin zum Probetrinken eingeladen. Wir bekamen einen kleinen Styroporbecher und durften uns durch fünf verschiedene Sorten Kaffee trinken, die dort schon fertig gebrüht in Thermoskannen aufgereiht dastanden. Leider war keines dieser Versuchsgetränke reiner Maui-Kaffee, was ich ein bisschen enttäuschend fand. Doch auch wenn sich unter ihnen der beste lokale Kaffee befunden hätte, wäre sein Geschmack von diesen Styroporbechern extrem verfälscht worden. Vielleicht fällt das Amerikanern nicht auf, aber Europäer kann man so sicher nicht zum Kauf bewegen. Immer wieder bewahrheitete sich für uns das Klischee, dass "die Amis" sich nichts aus wirklich gutem Kaffee machen oder anders gesagt: ihr guter Kaffee lässt sich geschmacklich einfach nicht mit dem, was wir aus Italien gewohnt sind, vergleichen. Für mich wie für viele Deutsche ist der echte "espresso italiano" der Höchststandart, den es zu erreichen gilt. Die Hawaiianer haben ihre eigenen Standards, an die man sich beim Kaffeetrinken gewöhnen muss: mit Wasser verdünnter, mit Allerlei Zeug vermischter, aromatisierter Kaffee in Bechern aus Pappe, Plastik oder Styropor. Und das nicht nur beim Takeaway, sondern auch in richtigen Restaurants zum Hinsetzen.
Besser als der Kaffee an sich war die kleine Plantage, die an das Gebäude grenzte. Durch den Hinterausgang kamen wir in ein lauschiges Gärtchen, in dem wir uns trotz Highway-Lärm gleich entspannt fühlten. Die Bäume um uns verbreiteten ein angenehmes Klima – und waren allesamt Kaffeebäume.  

Unter der sengenden Hitze gedeihen die Bohnen
Auf Kauai war die Plantage, die wir besuchten, deutlich größer und professioneller geführt. Die 20-minütige kostenlose Führung durch die Kauai Coffee Company war trotz der großen Hitze über den Feldern sehr kurzweilig und interessant. Wir bekamen rohe und reife Kaffeebohnen zu sehen, erfuhren, dass die Röstdauer den Koffeingehalt beeinflusst (je länger geröstet wird, desto stärker ist der Kaffee vom Geschmack, aber der Koffeingehalt sinkt), konnten Erntemaschinen kennenlernen und alle Schritte der Produktion nachvollziehen. Der gesamte angebotene Kaffee wird auch wirklich hier hergestellt, von der Aufzucht der Bäumchen, über die Ernte, bis hin zur Röstung und dem Mahlen!

Jeder darf mal anfassen
Danach gab es auch hier die Möglichkeit, sich durch die verschiedenen Kaffeesorten zu trinken. Die Probierauswahl war größer als auf Maui, es gab an die 15 Sorten, doch leider wieder nur im Styroporbecher und alle Kaffees – selbst die Bohnen, die „espresso roast“ hießen – waren komplett verwässert gebrüht. Da ich aber grundsätzlich von der hohen Qualität der Bohnen und dem guten Geschmack überzeugt war, kaufte ich kräftig im Shop ein und machte mir zu hause in unseren Airbnb Unterkünften ohne Verwässerung und Styropor einige der besten Kaffees meines Lebens! Auch in Deutschland konnte ich noch ein halbes Jahr später dieses einzigartige Aroma genießen... hmmm! Eine absolute Kaufempfehlung also vor dem Heimflug.

Etwas Ernstes zum Schluss: Kaffeetrinker werden ja immer wieder mit dem Vorwurf konfrontiert, dass die Kaffeeproduktion für ihren Kaffeekonsum nicht umweltfreundlich sei: Zu viel Wasser und sonstige Ressourcen werden eingesetzt, um dieses eigentlich unnötige Getränk zu produzieren. Die Menschen auf den Plantagen werden ausgebeutet und durch die Arbeitsbedingungen krank gemacht, die Gewinne gehen eher an die Zwischenhändler bzw. die riesigen Firmen, die das Land auf dem der Kaffee wächst mehr oder minder an sich gerissen haben. Vor allem der Landraub durch den ganze Dörfer ihre Lebensgrundlage verlieren und der ausbeuterische Umgang mit einer intakten Natur lassen die Lust auf Kaffee zumindest hin und wieder schal schmecken. All das habe ich im Hinterkopf bei unseren Besuchen auf den beiden Farmen. Natürlich ist an diesen Vorwürfen etwas dran. Was man dem hawaiianischen Kaffee aber sicher nicht vorwerfen kann – so viel traue ich zumindest dem amerikanischen Mindestlohnsystem zu – ist, dass hier Menschen ausgebeutet werden. Auch Wasser gibt es auf Hawaii im Grunde genug und es sieht auch nicht so aus, als würde Regenwald für die Plantagen gerodet werden – der Kaffee von hier ist also sicher sozial vertretbarer als aus vielen südamerikanischen Produktionen. Wie bei vielem im Leben, zeigt sich auch hier wieder der gute Weg im Mittelmaß. Wie oben schon erwähnt, versuchen Cori und ich stets lokale, qualtitativ hochwertige oder sozial verträgliche Produkte zu kaufen, auch wenn das dann ein bisschen teurer ist.

Wenn ich morgens vor meiner frisch gebrühten Tasse Kaffee auf der Terrasse auf Kauai saß und die hawaiianische Morgensonne mich kitzelte oder ich vom Balkon in Big Island über den Pazifik schaute, dann fühlte sich mein Kaffeekonsum aber gar nicht unnötig an, sondern genau richtig.


Was essen?

Kale. Grünkohl wird hier Kale genannt und war so ziemlich das Erste, was uns auf unserem ersten Stopp, der Organic Farm auf Oahu, über den Weg gelaufen ist. Nicht nur, dass es hier im Überfluss wächst, es ist auch im Supermarkt eines der wenigen bezahlbaren regionalen Gemüse. Es gibt ihn natürlich frisch und gefroren, aber auch (jedoch wieder sehr teuer) als Chips. Wir haben ihn zweimal sehr lecker selbst zubereitet, als Gemüse mit Bohnen und Nudeln und mit Quinoa und Ei.

Guacamole mit Tomaten zum Frühstück
Avocados. Was mindestens genauso gut wächst wie Kale, sind Avocados.  Uns sind fast die Augen ausgefallen, als uns auf der Farm welche angeboten wurden. Wir haben zweimal nachgefragt, was das sei – "Ja, wirklich Avocados" –, weil eine alleine so groß waren wie eine Ananas und das trotz oder wegen Bioanbau. In Ermangelung anderer bezahlbarer Brotaufstriche morgens, wurde Guacamole zu unserer Rettung. Avocados finden sich eigentlich in allen Supermärkten, meist auch regional und in Bio-Qualität, jedoch ist es billiger, sie an Straßenständen zu kaufen, vor allem, wenn es unbemannte Stände sind, bei denen man oft nur einen Dollar pro Avocado in die aufgestellte Kasse werfen muss.

Papayas zum Frühstück
Papaya. Seit unseren Reisen nach Taiwan liebe ich Papayas. Dort habe ich sie fast täglich als Papayamilch konsumiert, was es hier leider nicht gab. Dafür aber jede Menge Obststände, die ihre eigenen Papayas verkaufen. Diese Kleinstproduktionen sind wirklich etwas Besonderes. Während in anderen Ländern zwar auch regionale Früchte verkauft werden, sind diese doch oft vom Großmarkt. Hier wie gesagt eher vom eigenen Feld - jedenfalls behaupten die Verkäufer das auf Nachfrage.


Lilikoi. Cori liebt Maracuja, die hier zwar Englisch „passion fruit“ heißen, meist aber mit dem hawaiianischen Namen „Lilikoi“ angeboten werden. Im Supermarkt findest du fast alles mit dieser exotisch schmeckenden Frucht versetzt: Limonade, Bier, Wein, Cider, purer Sirup, dann natürlich die Süßigkeitenriege von Bonbons über Fertigmuffins bis Eis, aber auch die salzige Ecke ist bedient: Essig, Senf oder Barbecuesoße, für jeden ist etwas dabei.
Leider war gerade nicht Erntezeit als wir dort waren, sonst hätten wir sicher einen (oder auch zwei) Abstecher zur Kahuku Farm auf Oahu gemacht. So aber begnügten wir uns mit dem riesigen Angebot der Fertigmärkte und besuchten auf Kauai den Vertrieb mit dem sympathischen Namen Aunty Lilikoi, der verschiedene handgemachte Maracuja-Produkte anbietet und dafür immer wieder Preise gewinnt. Der kleine Laden ist viel kleiner als man von der vielen Werbung, die man überall sieht, vermuten könnte, eher wie ein Fabrikverkauf und trotzdem gemütlich. Wir wurden sehr freundlich empfangen, durften alle möglichen Snacks und Cremes mit Lilikoi-Anteil probieren und waren von vielem so begeistert, dass wir mehr gekauft haben, als wir eigentlich wollten. Etwas enttäuschend war nur die Auskunft, dass sie zwar regionalen Zucker verwenden, die Lilikoi aber importiert werden – und das sogar zur Erntezeit hier in Hawaii.

Kokosnuss. Kokosnuss ist einfach toll. Egal ob Shampoo, Öl, Fett, Wasser, Milch, Fasern, Stamm, Blätter – alles kann verwendet werden und alles wird hier traditionell verwendet und – das ist das Wichtigste – alles schmeckt sehr lecker. Wer Preise aus Asien gewohnt ist wird hier natürlich mit den Ohren schlackern, wenn für eine Trinknuss fünf Dollar verlangt werden, aber da man sonst hier nur süße Sodagetränke findet, ist es das Geld ab und zu wert, finden wir. Wer sich für die traditionelle Verarbeitung interessiert, findet im Polynesian Cultural Center auf Oahu mehrere Shows, die sich auf touristische Art und Weise damit befassen.

Macadamia-Nuss. Die Macadamia-Nuss ist hier zwar nicht ursprünglich heimisch, sondern wurde erst später eingeführt (wie Kaffee zum Beispiel auch), doch inzwischen hat sie sich in vielen Gebieten zur Hoffnung der Farmer gemausert. Zwar ist sie für den weltweiten Export – wie vieles hier – zu teuer, aber vor Ort lässt sich mit einem kleinen Tütchen eine ordentliche Summe verdienen. Da es nur ein paar große Produzenten auf den Inseln gibt, haben sie quasi ein Monopol auf die Supernuss. Wir haben uns immer mal wieder eine Handvoll dieser wirklich leckeren und gesunden Nüsse gegönnt, denn besonders auf Big Island findet man an jeder zweiten Ecke Farms, die direkt vom Baum weg verkaufen. Oft kann man auch zunächst kostenlos probieren – in vielen leckeren Variationen von salzig, über süß, bis scharf.
Unser Favorit: gesalzene Macadamia in Schokolade
Da es auf Hawaii auch Kakao gibt (wenn auch immer weniger) war es für die Naschmäulchen nicht schwer eine schmackhafte Kombination aus beidem herzustellen. Kostenlos probieren, die Produktion live mitanschauen, zwischen asiatischen Busladungen hemmungslos shoppen und dazu noch einen ordentlichen Kaffee trinken, kann man bei Big Island Candies. Darüber hinaus gibt es noch viele andere Schokoladen-Hersteller.

Mac’n‘Cheese. Wir geben es zu, auch wir waren auf unserer Reise oft dankbar über die außerordentlich hilfreichen Tipps von LonleyPlanet. Und nachdem wir völlig ausgehungert vom Sonnenuntergang auf dem Vulkan Haleakalā in Maui zurück ins Tal fuhren, war uns einfach nur wichtig, schnell etwas Vegetarisches zum Essen zu finden. Konkret wurde der Reiseführer zwar nicht, was den Fleischgehalt des Essens anbelangt, aber wir waren guter Dinge, dass Makkaroni mit Käse wirklich nur Makkaroni mit Käse bedeuteten (und nicht mit Speck) und wurden nicht enttäuscht. Zuhause haben wir versucht, das ganze nachzukochen. Yummy!


Wo essen?

Straßenstände. An vielen Straßen findet man kleine Ständchen, die meist zu den Farms dahinter gehören. Oft steht dort niemand, dann lohnt es sich aber wegen der niedrigen Preise zu halten. Ananas, Avocados, Kale, Bananen und viele anderen Gemüse- und Obstsorten kann man so für relativ wenig Geld kaufen. Wenn doch eine Person hinter dem Stand steht, wird es meist etwas teurer, aber dafür auch sehr unterhaltsam. Sehr freundlich war eine Hawaiianerin, die uns, weil es unser erster Aufenthalt auf Oahu war, eine Papaya geschenkt hat.

Smootthies gabs oft in reyclebarem Plastik
Außerdem waren wir auf Kauai begeistert von der Moloaa Sunrise Fruit Bar, die wir durch ihre einladende Lage Kuhio Highway, der den Norden mit dem Süden verbindet, mehrfach besucht haben. Trotz der Nähe zur Schnellstraße ist die Stimmung alles andere als hektisch und die Smoothies und Snacks werden auf Bestellung frisch zubereitet und schmecken wunderbar erfrischend.
Bei all den Fruit Bars, die wir fanden, gab es immer eine kleine feste Auswahl an Smoothie-Vorschlägen, doch uns schien es,als ob auch eigene Kreationen möglich gewesen wären.

Natürlich gibt es außer den kleinen Ständen am Straßenrand auch größere kommerzielle Smoothie-Ketten, wie zum Beispiel Lanikai Juice auf Oahu. Dort geht es professioneller zu, das heißt der Andrang der Durstigen ist größer, die Auswahl der Getränke auch und nebenbei kann man auch Merchandise-Produkte erwerben. Das hat natürlich alles seinen Preis. Dem Geschmack der wirklich ausgefallenen Smoothie-Kombinationen tut das natürlich keinen Abbruch.

Wir bevorzugen aber die kleinen bunten Stände am Straßenrand, wo man immer ins Gespräch kommt. Außerdem war es einmal sehr witzig, in einer kleinen Smoothiebude beim Huelo Lookout im Nirgendwo von Maui am anderen Ende der Welt die Verkäuferin an ihrem Akzent als Schweizerin zu erkennen und leckere Smoothies bei ihr zu probieren.

Shave Ice. Eine weitere typisch hawaiianische Erfrischung ist das überall erhältliche Shaved Ice. Von riesigen Einblocks (also nichts als gefrorenes Wasser) werden mithilfe modernster Maschinen in Sekundenschnelle Eisraspel abgeschabt, die dann in einen Plastikeisbecher (Größe variabel) geschaufelt werden. Erst anschließend stellt sich die Frage nach der Farbe und dem Geschmack des Eises. Soll es Apfel, Mango oder Banane werden? Darf es mit Streuseln, Schokosauce oder Siroup überschüttet werden? Wäre eine bunte Mischung im Stile der Tricolore nicht hübsch? Jeder Asiate hätte seine Freude daran und auch die Locals greifen hier gerne zu... nur uns Europäern schwirren bei all den Neonfarben und "Geschmackserlebnissen" die E-Nummern im Gehirn herum. Da Shaved Ice-Buden in jedem Dörfchen zu finden sind, haben wir haben uns ein paar Mal an die knalligen Eisvariationen getraut, allerdings konnten wir uns dafür nicht erwärmen :-)
Dole, der ehemals weltgrößte Ananasproduzent vertreibt ein eigenes Eisprodukt, natürlich mit Ananasgeschmack, das uns wesentlich besser geschmeckt hat, auch wenn die Zutaten nicht gerade gesünder sind: Pineapple Dolewhip.

Wassertankstellen. Geschmacklich zwar nicht anders als Wasser aus der Flasche, fanden wir aber die Wassertankstellen vom Konzept her sehr interessant. Zum Beispiel bei Safeway auf Maui gab es die Möglichkeit, seine eigenen Flaschen wiederzuverwenden und Wasser Literweise zu zapfen. Das hat nicht nur den Vorteil, dass es der Umwelt zugutekommt, es ist auch günstiger, denn Mineralwasser ist ziemlich teuer (mind. 1$ pro Liter) – und man trinkt naturgemäß viel in dieser heißen Umgebung.

Frühstück im Kono's
Restaurants, Cafés und Bars. Zwar waren wir wegen unseres Budgets nicht oft essen, denn Nahrungsmittel sind hier überall deutlich teurer als in Europa, konnten aber trotzdem nicht immer widerstehen, uns hin und wieder von einer Snackbar oder einen Foodtruck von denen es hier unzählige gibt, verführen zu lassen.

In Haleiwa auf Oahu haben wir uns ein leckeres Frühstück im Kono’s gegönnt und wurden von den mit Frischkäse, Gurken, Sprossen und Tomaten dick belegten Bagels nicht enttäuscht – der Kaffee ist nur bedingt zu empfehlen. Besser ist da, einmal um die Ecke zu laufen und in die Coffee Gallery zu gehen: Hier gibt es Kaffee aus Porzellantassen und Siebträgerespresso aus hawaiianischen Bohnen.
Kono's von außen

An der Westküste von Big Island bietet das nette Team von Kaya’s den für meinen Geschmack besten Kaffee aller Inseln in einem gemütlichen Ambiente an: richtige Tassen aus Porzellan sowie leckere vegane Küchlein und salzige Snacks, daneben  Fairtrade-Kleidung und viele Informationen über Bio- und Umweltschutzprojekte auf Hawaii, wie zum Beispiel einer Initiative gegen genmanipulierten Anbau von Gemüse und Getreide (#savehawaiifrommonsanto). Wenn du in der Nähe bist, schau auf jeden Fall in diesem besonderen Café vorbei!                 
Auf Maui ist es zugegeben etwas schwerer, ein besonderes Lokal zu finden, wenn man nicht gerade in Lahaina wohnt. Für einen schnellen vegetarischen Snack oder ein leckeres Abendessen empfehlen wir aber Miso Phat Sushi an der Westküste. Der Laden wurde von uns von unserem Host empfohlen und schon der Name brachte uns zum Lachen. Die beiden gutgelaunten Köche, der vor unseren Augen die Rollen zubereitete, unterhielten uns ebenso. Allerdings muss man wie eigentlich immer in einem "normalen" Restaurant akzeptieren, dass die Leute um einen herum Fleisch und Fisch essen. Zu empfehlen ist hier noch das extrem leckere Getränk Rekorderlig, das Cori natürlich gleich mit Lilikoi-Geschmack bestellte. Nie hat Globalisierung für uns leckerer geschmeckt: In Hawaii in einem Sushi-Restaurant sitzen und Cider mit Maracujageschmack aus Schweden trinken. Herrlich!

Ted's famous Bakery - ganz ohne Allüren
Zum Abschluss auf Oahu haben wir noch die bekannte Ted's Bakery an der North Shore besucht. Der ziemlich unscheinbare Bau ("Sicher, dass der Reiseführer diesen Betonklotz mit dem Charme einer heruntergekommenen Tankstelle meint?") liegt gleich über die Straße am wunderschönen Sunset Beach - man kann sein Essen also einfach einpacken und damit am Strand den Sonnenuntergang genießen. Die vegetarischen Burger und massigen Kuchenstücke mit ihrer preisträchtigen Creme schmecken aber auch auf der Terrasse sehr gut!
Happy mit Veggieburger
Wieder mal lernten wir, dass es für die Hawaiianer nicht auf das Äußere eines Gebäudes ankommt, damit es als ein "place to be" erkannt wird. Des Öfteren fahren wir ratlos durch die Gegend, weil wir uns das "berühmte" oder "ausgezeichnete" Deli und/oder Café nicht in einer bruchbudigen Mall oder einem Hinterhofparkplatz vorstellen können. Aber wir werden stets eines Besseren belehrt: Auch ein Foodtruck kann einen 5-Sterne-Restaurant Status genießen (inklusive Preise) und in einem verblichenen Betonklotz mit verrosteter, schiefer Eingangstür können die leckersten Spezialitäten produziert werden. Unser Dank gilt hier mal wieder unserem treuen Lonely Planet ohne den wir vieles sicher nicht entdeckt hätten. Am Besten orientiert man sich an der Länge der Schlange an wartenden Menschen oder der Menge der Essenden, die vor dem Restaurant oder Truck an den Plastiktischen und Bänken sitzen. Auch der Geruch, der die Garstube oft viele Meter weit umgibt, kann bei der Auswahl helfen.

Puka, die Höhle für hungrige Tiger... äh Katzen
Dass wir in die Puka Puka Kitchen in Hilo auf Big Island gegangen sind, war reiner Zufall - und unserem Hunger geschuldet, der die Rückfahrt zu unserer Unterkunft an der Südspitze der Insel nicht mehr geduldet hätte. Erst im Nachhinein haben wir herausgefunden, dass wir die Begeisterung für diese asiatische Küche der besonderen Art mit vielen Locals und Reisenden teilen. Besonders der hochgelobte Curry-Reis ist wirklich zu empfehlen.
Gerade in weniger typisch amerikanischen und eher asiatisch-experimentellen Restaurants findet man immer ein leckeres vegetarisches oder veganes Gericht.
Falafel & gebratenes Gemüse mit dem berühmten Curryreis

Das Art Café Hemingway auf Kauai
Das Hemingway-Café an der Ostküste von Kauai hat uns vom ersten Tag an gereizt, weil es sich in seinem schicken Wild-West-Stil, den knalligen Farben und dem eher intellektuellen Namen deutlich von seiner Umgebung abhob. Am letzten Tag auf der Insel haben wir uns dann endlich ein Frühstück dort gegönnt – und waren mehr als zufrieden: Ein relaxter Platz im Freien auf der Terrasse oder aber gemütlich im Inneren, dazu sehr leckerer Cappuccino (allerdings aus italienischer Bohne) und ausgewogene Frühstück-Menüs – traumhaft und sehr europäisch, wenn auch nicht ganz billig.
Frühstück im Art Café Hemingway
Die charismatischen Besitzer tun alles, um ihr Angebot möglichst ökologisch, frisch und lokal zu gestalten. Auf ihrer Farm bauen sie einige der Zutaten ihrer Speisen an und ansonsten arbeiten sie eng mit anderen ökologischen Farmen der Region zusammen. Die Mitarbeiter erscheinen wie eine große Familie und auch die Gäste unterscheiden sich von den typischen Durchschnittsamis, die man im Deli der Supermarktketten an den Tischen sitzen sieht. Dieses Restaurant (das kann man jetzt gut oder schlecht finden) könnte man so inklusive dem Speiseangebot und der Kundschaft problemlos nach Freiburg, Berlin oder Hamburg transportieren :-)

Supermärkte. Grundsätzlich gibt es viele verschiedene Supermärkte, von denen uns Foodland sympathischer vorkam als die meisten anderen. Die meisten Foodland sind groß genug, um nicht noch teurer zu sein als unbedingt nötig und gleichzeitig bieten sie einen relativ großen Anteil an regionalen Produkten an. Je nachdem, wo man wohnt, muss man aber weit fahren, um zu einem richtigen Supermarkt zu kommen. Kleinere Grocery Stores sind teilweise auch gut sortiert und fördern lokale Produzenten, wie zum Beispiel der ChoiceMart auf Big Island.
Ein Einkaufserlebnis ist, wie oben beschrieben, der Down-to-Earth Bio-Supermarkt auf Maui, mit seiner großen Auswahl an vegetarischen Convenience-Produkten, die man so nicht in Deutschland findet.

Delis. Deli steht für Delicatessen, ein aus dem Deutschen übernommenes Wort, das hier auf Hawaii für fertiges Essen zum Mitnehmen steht und nicht immer mit delikater Nahrung zu tun hat. Was in Deutschland jetzt erst in manchen Supermärkten aufkommt, hat hier schon lange Tradition. Man findet Deli-Abteilungen in jedem Supermarkt – hier können wir nochmals den Down to Earth-Biomarkt auf Maui empfehlen – und es gibt extra Deli-Shops, die von belegten Broten über Salate bis hin zu warmen Speisen viele Leckereien anbieten. Als Vegetarier oder Veganer wirst du hier immer etwas Leckeres finden. Zur Not musst du dich mit vegetarischem Sushi geschlagen geben ;-)

Hilo's Farmers Market
Farmers Markets. Die verschiedenen Bauernmärkte auf den Inseln laden zum Schlendern, Probieren und auch Einkaufen ein. Im Gegensatz zu den Obstständen am Straßenrand sind hier die Preise allerdings meist mindestens genauso hoch wie im Supermarkt und man muss – je nach Markt – mit vielen sehr hipsterigen Menschen rechnen, die hier ihren Wocheneinkauf erledigen. Von der Größe und der Auswahl her können wir auf jeden Fall den Hilo Farmers Market empfehlen, der zweimal wöchentlich stattfindet. Der Markt selbst ist kostenlos für Besucher, der Parkplatz kostete allerdings 1 $. Der ist das Erlebnis aber durchaus wert.
Heiß, heißer, Hilo's Farmers Market
Außer typischen Marktständen gibt es auch viele Imbissbuden, die viele vegetarische Speisen anbieten, besonders stark vertreten (und lecker!) ist die asiatische Küche. Uns wurde der Markt als absoltes Muss empfohlen, nicht unbedingt wegen des Angebots, eher wegen des Ambientes und der Klientel. Dazu muss man sagen, dass sich auf der Ostküste von Big Island  seit den 70er Jahren viele "Hippies" niedergelassen haben, die für einen Normalo-Amerikaner sicherlich einen außergewöhnlicheren Anblick darstellen, als für uns Öko-Deutsche ;-) Die Atmosphäre war auf jeden Fall sehr entspannt und untouristisch. Käufer und Verkäufer mit oder ohne Schuhe hielten Schwätzchen unter den schattenspendenden Zelten, Kinder liefen kreischend umher, überall gab es zwanglose Sit-Ins auf dem gekiesten Boden, um einen Snack zu essen und dabei wurde alles von einer Band untermalt, die gerade mit voller Lautstärke ihre Instrumente stimmte.

Wer es etwas kleiner mag und auf ein wunderschönes Ambiente wert legt, ist besser aufgehoben im Waimea Valley an der North Shore auf Oahu. Der Markt bietet zwar nicht so viele Stände, aber immer noch genug Auswahl an Gemüse, Obst und Speisen auf die Hand. Zudem findet er am botanischen Garten statt, in dem man – gutes Wetter vorausgesetzt – auch ein erfrischendes Bad im Fluss nehmen kann.

Wer mehr Zeit mitbringt als wir (pro Insel eine Woche) hat natürlich noch ganz andere Möglichkeiten und kann Nahrungsmittelproduzenten direkt aufzusuchen. Wir hatten das Glück eher zufällig von einer kleinen Ziegenkäse Farm zu erfahren, auf der man sowohl Ziegen streicheln, als auch ihren Käse kaufen kann. Die Surfing Goat Dairy, wird von einem deutschen Ehepaar aus Sylt geführt, das in den 80er Jahren viel Kontakt zu der Surferszene in Norddeutschland aber auch zu der auf Hawaii hatte. Nach vielen Jahren des Urlaubs auf ihrer Trauminsel Maui, beschlossen sie sich mit Ziegen (ihren Lieblingstieren) selbstständig zu machen. Der Betrieb erscheint familiär und freundlich und ist dafür, dass er wohl wirtschaftlich rentabel ist, eher klein. Im Verkaufsraum kann man (ziemlich teuren) Ziegenkäse in vielen Varianten probieren und auf der Rückseite des Hauses kann man durch Glasscheiben beim Melken der Ziegen zuschauen und die Weiterverarbeitung der Milch beobachten.

Zum ausführlichen Reisebreicht geht es hier.

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