Cassis



*** Cassis und der unerwünschte Fisch ***
 
Sur la Route des Crêtes - la Côte tellement azur
Um mal ein paar Tage auszuspannen, sind wir letzte Woche kurzerhand an die Côte d’Azur nach La Ciotat gefahren. Hier ist es schon beinahe sommerlich und an den windstillen Tagen lässt es sich sogar schon wunderbar in den berühmten Calanques und an den Stränden in der Umgebung baden. Zwar wird es, sobald die Sonne untergegangen ist, noch recht frisch, aber gut gebräunt werden wir trotzdem aus dem Kurz-Urlaub zurückkommen.


Cassis
Gestern haben wir einen Ausflug zur Route des Crêtes unternommen. Diese an vielen Stellen sehr schmale Panoramastraße führt durch die provenzalischen Felsen, hinter denen das wirklich unglaublich azurblaue Meer liegt! Es ist nicht unser erstes Mal hier, aber wir können uns trotzdem kaum sattsehen an den Farbspielen zwischen grünen Pinien, grauen kargen Felsen und dem unendlich blauen Meer. Teilweise schimmert es sogar grün-türkis und es fehlen nur die Kokospalmen, um sich in der Karibik zu wähnen. Über eine Stunde verbringen wir so auf dieser Straße, die von der Strecke her in 15 Minuten zu fahren wäre. Immer wieder steigen wir aus, genießen die Aussicht und versuchen, genau dann Fotos zu machen, wenn gerade kein anderer Tourist im Bild steht. Obwohl es erst April ist, sind hier schon so viele Touris unterwegs, dass wir uns fragen, wie das wohl im Hochsommer aussehen muss.


Blick von der Route des Crêtes auf die Küste
Als wir schließlich am Ende der Straße angelangt sind, fahren wir den Berg Richtung Cassis nach unten. Hier bietet sich nochmals – solange das angrenzende Weingut die Hecke so tief schneidet – eine wunderbare Aussicht aufs Meer. Wir parken das Auto schon etwas außerhalb, denn alle Parkhäuser in der Innenstadt sind belegt (!) und außerdem natürlich kostenpflichtig. Der kurze Spaziergang ins Zentrum ist trotz teilweise fehlender Gehwege sehr angenehm. Es ist warm und Lavendelduft zieht von den Feldern herüber... wir spazieren durch ein provenzalisches Klischeegemälde.

Weinanbau in romantisch-porvenzalischer Kulisse


Der Hafen von Cassis und die Flaniermeile
Im Städtchen angekommen flanieren wir eine Weile um den Hafen, zum Strand und dann wieder durch die engen Gassen zurück. Wir bekommen langsam Hunger, deshalb schauen wir uns vor den Bars und Restaurants verschiedene Menüs an. Leider ist es in Frankreich auch heute noch so, Vegetarier nicht ganz ernst genommen werden. Es gibt so gut wie keine vegetarischen Menus, denn nur ein Gericht, das Fleisch oder Fisch enthält, schmeckt wirklich "délicieux". Wir entscheiden uns deshalb für einen kleinen Italiener, der vor dem Musée d'Art et Tradition seine Sonnenschirme aufgebaut hat. Es ist herrlich heiß und wir genießen die Sonne. Vor uns liegt ein typisch französischer Platz mit Platanen und Bänken, um sich hier von der Mittagshitze zu erholen.

Das opulente Mahl mit Fisch
Aber schon der erste Kontakt zum Kellner ist irgendwie unglücklich: Er weist uns darauf hin, dass der Tisch, an dem wir es uns gemütlich gemacht haben, reserviert sei. Leider stand kein Schild auf dem Tisch. Er bietet aber auf umständliche Art an, uns in kurzer Zeit einen neuen Tisch bereitzustellen. Da aber gerade ein Tischchen an der Hauswand neben dem Eingang zum Restaurant frei wird, verzichten wir auf sein Angebot und ziehen einfach um. Seine junge Kollegin bringt uns daraufhin die Karte. Diese ist stilvoll auf einer Kreidetafel geschrieben, welche vor uns auf einem gusseisernen Ständer aufgebaut wird. Wir bedanken uns und lesen das Angebot durch. Auf den ersten Blick gibt es als einzige vegetarische Speise nur Lasagne. Cori hat keinen so großen Hunger, weshalb sie nachfragt, ob sie auch nur einen Salat haben könne. Sie betont, dass sie weder Fleisch noch Fisch haben möchte. Die Kellnerin klärt das mit der Küche ab und bringt wenig später eine Lasagne und einen sehr lecker aussehenden Antipasti-Teller als Salat. Geschmacklich ist auch alles in Ordnung, wenn auch nichts Besonderes. Dann aber fällt Cori auf, dass auf der Paprika eine Sardelle liegt. Entnervt schiebt sie den Fisch zur Seite.
Wir essen auf, verlangen die Rechnung und, nachdem für dieses Fisch-Desaster auch noch 18 € verlangt wird (mehr als für alle regulären Vorspeisen), können wir die Frage des Kellners, ob alles gut war, nicht mit ja beantworten. Cori lässt sich ihre Verstimmung anmerken und weist den Kellner recht deutlich darauf hin, dass sie einen vegetarischen Teller bestellt hatte. Die Reaktion darauf – egal, ob sie einfach eine Ausrede ist oder ehrlich – zeigt, wie weit zurück manche Menschen in Sachen Vegetarisumus sind: „Als Vegetarier essen Sie keine Fische?“ „Nein“, antwortet Cori, „das ist ja die Definition von ‚vegetarisch‘.“ Der Kellner macht es nicht besser, als er darauf hin sagt: „Ja gut, aber das weiß man ja nie so genau… es gibt ja auch welche, die keinen Käse essen zum Beispiel.“ Cori antwortet: „Das sind aber Veganer, die essen keine Tierprodukte.“ Und dann lässt er sich - als Franzose - von Cori auch noch das französischen Wort für "vegan" erklären! Der Preis für dieses opulente Mahl mit ungewünschtem Fisch verändert sich auch dadurch nicht, dass Cori noch einmal darauf hinweist, dass sie bei der Bestellung ja angegeben hatte, dass sie weder Fleisch noch Fisch isst. Mir ist das Gespräch hier schon zu blöd. Mich regt auf, dass sich überhaupt noch ein Kellner hinter so einem Unwissen verstecken kann – und das im Jahr 2017.

Lauschiges Plätzchen an der Route des Crêtes
Mit einer kleinen Grummelwolke über dem Kopf schlendern wird noch ein bisschen durch die Gassen, aber so recht will sich keine Stimmung mehr einstellen. Erst als wir wieder die Route de Crêtes zurückfahren und wir das azurblaue Meer zu unserer Rechten strahlen sehen, sind wir wieder mit der Welt versöhnt.








CONVERSATION

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen