Gasthof Krone - Vegetarische Restaurantkritik

Für einen ganz besonderen Anlass wollten wir uns ein höherklassiges Restaurant gönnen. Deshalb haben wir auf der Webseite vom Guide Michelin nach Restaurants in unserer Gegend gesucht. Michelin zeichnet schon seit 1900 Restaurants aus und ist wohl der weltweit bekannteste Restaurant-Guide. Wer als Koch auch nur einen der maximal drei Michelin-Sterne erringt, gehört zur Elite. Das hat natürlich seinen Preis. Doch mehr als die preisliche Komponente interessierte uns das jeweilige vegetarische oder vegane Menü. Teilweise hatten die Restaurants nicht einmal einen Hinweis auf Menüs oder Gerichte ohne Fleisch, teilweise klang das Vegetarische so langweilig, dass wir dafür ungern die über 100€ pro Person ausgegeben hätten. In die engere Auswahl kamen deshalb nur die „Wiehlandshöhe“ und der „Gasthof Krone“.

Die Wiehlandshöhe besticht nicht nur durch ihre wunderschöne Aussicht, sondern vor allem durch die rigoros umweltfreundlich und nachhaltig ausgerichtet Küche des Küchenchefs Vincent Klink. Seine Überzeugungen, die er vielleicht etwas zu forsch auf der Homepage darstellt, sprechen uns eigentlich aus der Seele: Die Produkte sollen regional und saisonal sein. Es soll keine Verschwendung geben, alles, was auf den Teller kommt, ist auch essbar. Und zu guter Letzt werden alle Zutaten soweit wie möglich verwendet: Fleisch- und Gemüsereste werden zu Fonds verarbeitet. Trotz oder gerade wegen dieses für Haute Cuisine vielleicht minimalistischen Ansatzes, wurde der Wiehlandshöhe von Michelin ein Stern verliehen. Zu unserer großen Enttäuschung mussten wir aber feststellen, dass das Restaurant sonntags geschlossen ist, weshalb uns nur noch der Gasthof Krone blieb.

Das soll nicht heißen, dass es nur die zweite Wahl gewesen wäre. Auch hier überzeugte uns das vegetarische Menü auf Anhieb. Und da sie auch noch freie Plätze für unser Datum hatten, war klar, dass wir nach Waldenbuch fahren würden, um einen kulinarischen Abend zu erleben und euch daran teilhaben zu lassen.

Pünktlich um 19 Uhr fahren wir bei der Krone vor. Leider sind die vier Parkplätze vor dem Haus belegt, wir müssen außenrum fahren und finden gleich einen Platz in einer kleinen Straße hinter dem Bach, der am Restaurant vorbeifließt. Von außen wirkt der Hinterhof eher wie bei einem zünftigen Biergarten als wie bei einem Sternelokal. Es ist ein bisschen zu kalt, um draußen zu sitzen, weshalb wir zügig reingehen. Innen stehen wir in einem kleinen Flur, der mit einem großen Spiegel endet. Leider steht nirgends, wo wir hinmüssen. Wir schielen die Treppe nach oben, doch mehr Lärm dringt aus der Tür am Ende des Flurs links. Wir öffnen sie, auch auf die Gefahr hin, gleich in der Küche zu stehen, und betreten zum Glück die Gaststube. Auch wenn man heute vielleicht dieses Wort nicht mehr so häufig verwendet, trifft es das Ambiente dieser Räumlichkeiten perfekt. Gutbürgerliche braune Täfelung, die zum Glück durch zeitgenössische Kunst aufgelockert wird. Insgesamt wirkt es aber so, als würde man hier keinen übertriebenen Wert auf Äußerlichkeiten legen, was ja dem Essen zugutekommen kann – aber davon müssen wir uns ja erst noch überzeugen.

Eine ausgesprochen freundliche Bedienung lässt uns aus zwei Tischen wählen, die beide gut liegen. Da wir allerdings ein bisschen mehr Abgeschiedenheit bevorzugen, entscheiden wir uns für einen Ecktisch. Kaum setzen wir uns, fällt mir ein kleines Loch in der Tischdecke auf. Ich frage mich immer, wie so etwas passieren kann. Es ist ja kein Dönerladen hier. Natürlich ist das nicht tragisch und wird dem Geschmack des Essens nichts anhaben, trotzdem erwarten wir eigentlich in dieser Preisklasse etwas mehr Hang zur Perfektion – auch neben dem Teller.

Das Essen ist schnell bestellt, wir entscheiden uns für das vegetarische Menü in 6 Gängen. Alternativ hätten wir auch die 4- oder 5-Gang-Variante wählen können. Dazu noch eine Flasche stilles Wasser und für Cori die Weinreise – jeweils einen passenden Wein pro Gang auf Empfehlung der Küche. Diese Empfehlungen würden ein wenig vom Wein zum Fleischmenü abweichen, meint die Kellnerin. Insgesamt sind die Bedienungen – mehrere Personen teilen sich mehrere Tische – sehr zuvorkommend und freundlich, ohne jedoch sonderlich herzlich zu wirken. Besonders der rundliche Kellner wirkt reserviert. Vielleicht ist das seine schwäbische Art, aber irgendwie scheint es mir, als würde er uns für Restaurant-Kritiker halten und ein bisschen Angst vor uns haben.
Nach kurzer Wartezeit, in der das Wasser und der Aperitif serviert werden – regionaler Sekt für Cori und alkoholfreier Birnen-Cidre ebenfalls aus Schwaben – kommt schon der Gruß aus der Küche: Hausgebackenes Brot, dazu Olivenöl und verschiedene Aufstriche, Tomatenpesto und Bärlauchcreme. Vielleicht ein wenig rustikal, passt aber in dieses Ambiente und schmeckt sehr ausgeglichen und lecker.

Der erste Gang lässt auch nicht lange auf sich warten: In drei kleinen Mini-Schüsselchen werden uns kalte Erbsensuppe, ein Rote-Beete-Schwamm und ein Maiskölbchen an Bärlauchcreme gereicht. Die Erbsensuppe schmeckt ausgewogen cremig. Der Maiskolben fällt hingegen geschmacklich etwas ab. Zu sehr erinnert er an einfach aus dem Glas servierte Kölbchen bei Oma. Dafür besticht das Rote-Beet-Schwämmchen mit einem bekannten Geschmack in einer unbekannten Konsistenz. Wir sind eigentlich keine großen Fans von Rote Beete, aber dieser Schwamm ist so gut gewürzt, dass wir uns augenblicklich darin verlieben. Wir könnten den ganzen Abend nur noch das essen.


Vegetarische Vorspeise im Gasthof Krone: Erbsensuppe, Maiskölbchen und Rote-Beete
Vegetarische Vorspeise im Gasthof Krone: Erbsensuppe, Maiskölbchen und Rote-Beete

Doch kurz nachdem abgetragen wurde, kommt auch schon der nächste Wein für Cori. Den ersten, einen regionalen Weißwein, hat sie noch nicht mal ganz getrunken. Die Kellnerin entschuldigt sich, aber die Küche sei eben mit den Gängen so schnell. Kurzerhand helfe ich Cori ein wenig. Während der erste Wein hauptsächlich frisch, spritzig und fruchtig schmeckt, entfaltet der zweite ein komplexeres Aroma. Er hat liebliche Züge, was wir eigentlich nicht so mögen, überzeugt aber mit einem sehr langen Abgang. Leider wurde uns die Weinkarte nicht schriftlich gereicht, sodass wir keine Empfehlungen weitergeben können.

Dem zweiten Wein folgt der nächste Gang: Brokkoli, teils gekocht, teils frittiert an Meerettich. Besonders die frittierte Variante war ein Erlebnis, das man sonst eher vom Chinesen kennt. Hier schmeckt es aber nicht nach billigem Bratenfett, sondern einfach nur gut! Absolut emfehlenswert. Der gekochte Brokkoli ist uns ein bisschen zu hart.

Brokkoli frittiert und gekocht im Gasthof Krone
Brokkoli frittiert und gekocht


Darauf folgt eine Spargelcreme-Suppe, in der eine mit Gemüse gefüllte Ravioli die Einlage bildet. Sehr cremig und ausgewogen gewürzt, dazu die perfekte Kochdauer der Ravioli gewählt, so muss es sein!

Spargelcremesuppe mit Ravioli vegetarisch im Gasthof Krone
Spargelcremesuppe mit vegetarischer Ravioli


Im Anschluss geht es direkt spargelig weiter, dieses Mal grüner und weißer Spargel gemischt, mit Erbsen auf einem Spargelcreme-Bett an an Spinat, dazu eine Spargel-Profiterole. Selten haben wir so guten grünen Spargel gegessen - eigentlich noch nie. Auch die Profiterole übetrifft alle Erwartungen, wenngleich sie im Abgang vielleicht ein wenig zu sämig ist. Dieser Gang setzt auf jeden Fall Maßstäbe.

Spargel-Profiterole im Gasthof Krone
Spargel-Profiterole


Doch diese werden danach noch übertroffen: Das Amaranth-Küchlein, das anschließend das Bett für die geeiste Tomate bietet, dazu der Süßkartoffel-Flan an Spargelspitzen - himmlisch! Eine in sich geschlossene Kreation, doch wenn wir einen Teil hervorheben möchten, dann das Tomatensorbet. Eine kreative Idee, meisterhaft umgesetzt.

Amaranth-Küchlein im Gasthof Krone
Amaranth-Küchlein mit Spargelspitzen und Süßkartoffel-Flan

Die Käseplatte, die folgt und zu der der einzige Rotwein des abends gereicht wird, kommt deutlich einfacher daher. Zwar haben alle Käsesorten wohlklingende Namen - mit der korrekten französischen Aussprache hat der Kellner so seine Problemchen -, sie kommen aber ohne große Überraschungen daher. Weder enttäuschen sie, noch setzen sie Glanzlichter. Allenfalls das dazu servierte Früchtebrot (nicht zu Weihnachten!) bleibt besonders positiv im Gedächtnis, weil es den Käse außergewöhnlich gut ergänzt.

Käseplatte mit Früchtebrot im Gasthof Krone
Käseplatte mit Früchtebrot im Gasthof Krone


Den Schlusspunkt markiert ein Schokoladen-Moelleux, der mir sehr gut schmeckt, Cori stört irgendwas an der Konsistenz. Ich finde diese perfekt, gerade richtig flüssig im Inneren und leicht knusprig außen. Dazu wird uns ein Erdbeer-Flan mit Rhabarber- und Joghurtschaum gereicht - alles sehr stimmig, sowohl alleine als auch im Gesamteindruck.

Dessert im Gasthof Krone
Dessert im Gasthof Krone: Moelleux mit Schäumchen


Der Espresso danach kann uns geschmacklich nicht vom Hocker hauen, ist aber gut. Besonderer ist der abschließende Holunderblüten-Schnaps. Zwar gibt es auch eine Vielzahl anderer Spirituosen, aber diese selten zu findende Delikatesse interessiert uns am meisten. Dem Geruch nach erinnert der Brand eher an die Holunderfrucht als an die Blüte, doch der zart blumige Abgang versetzt uns augenblicklich neben einen blühenden Holunderbaum.

Eine kleine Anekdote zum Schluss: Bevor wir persönlich mit Handschlag verabschiedet werden, unterläuft dem Kellner - der Besitzer des Restaurants, wie wir hierbei erfahren - ein kleiner Zahlendreher bei der EC-Abbuchung. Als wir ihn darauf aufmerksam machen, dass er zu wenig eingezogen hat, bedankt er sich und bucht den Rest mit einer weiteren Buchung über ca. 30€ ab. In dieser Situation hätte man in einem normalen Lokal mit ziemlicher Sicherheit noch einen kleinen Dankeschön-Schnaps oder Ähnliches erhalten, hier nicht. Das kommt uns - bei den Preisen - schon ein wenig knauserig vor.

Insgesamt waren wir mit unserem Besuch im Gasthof Krone allerdings sehr zufrieden. Die genaue Bewertung sieht aus wie folgt:

Ambiente                             3,5/5
Service                                   4/5
Geschmack (x2)                  4,5/5
Veggie-Tauglichkeit (x2)    4,5/5
Innovation                             4/5
Gesamt                             29,5/35







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