Veggie in Taiwan - Teil 2

Im ersten Teil haben wir schon kurz beschrieben, warum wir uns in Taiwan verliebt haben, und einen Teil der Speisen vorgestellt, die uns besonders gut geschmeckt haben. Jetzt wollen wir den kulinarischen vegan-vegetarischen Überblick vervollständigen.


DIE Bohne. Die wahrscheinlich wichtigste Pflanze in Taiwan ist DIE Bohne. Taiwaner sprechen immer nur von DER Bohne, wenn Deutsche Sojabohnen meinen, eine so große Rolle nimmt sie im Leben hier ein. Natürlich gibt es Soja in allen erdenklichen Formen, die man als Vegetarier oder Veganer auch aus Deutschland kennt - und noch viele mehr! Die für uns eindrucksvollsten beschreiben wir euch im Folgenden. Alleine Tofu ist nämlich in so vielen Varianten erhältlich, die sich alle in Konsistenz, Form, Farbe und Geschmack unterscheiden, dass wir ganze Bücher mit diesen Unterscheidungen füllen könnten. Die Krönung der Tofu-Schöpfung - und gleichzeitig größte Herausforderung an die europäische Nase - ist der
Stinky Tofu. Er riecht, wie er heißt, aber der Geschmack ist sehr gut, vor allem so, wie er eigentlich
Stinky Tofu mit Zwiebeln und Sojaoße
immer serviert wird, in einer leichten Soja-Soße mit Zwiebeln. Besonders bekannt sind die Restaurants in Taichung - hier stinken ganze Straßen. Wer es leichter mag, dem empfehlen wir lieber ein perfekt veganes Eis mit
"Stinkende" Tofuplatten
Sojabohnen-Topping, zum Beispiel im 高雄婆婆冰 (Popoice). Außerdem gibt es DIE Bohne auch in flüssiger Form als Sojamilch. Die Taiwaner süßen zwar besonders die Milch im Tetra-Pack sehr stark, aber in manchen Frühstücks-Buden kann man sich den Zucker auch nach Belieben selbst beimengen. Interessanterweise finden wir, dass der Geschmack komplett anders ist als bei den deutschen Produkten, die wir eigentlich ungern trinken - irgendwie voller und cremiger. Sehr zu empfehlen hierzu ist:


Brot in Brot

Brot in Brot. Dieses traditionelle Frühstück heißt eigentlich anders und wir können uns den Namen nicht merken. Deshalb hoffen wir, "Brot in Brot" irgendwann so bekannt zu machen, dass wir es auch unter diesem Namen finden können. Wer nur kurze Zeit in Taiwan verbringt, kann sich ganz in der Nähe des Hauptbahnhofs in Taipei ein solches Frühstück gönnen. Es handelt sich um ein leichtes, an Blätterteig erinnerndes Brötchen, das mit Sesam bestreut ist. Es wird längs aufgeschnitten und die nette Bäckersfrau legt einen halbierten Stab aus frittiertem Teig hinein - fertig ist das Brot in Brot. Das klingt langweilig und vielleicht auch nicht so lecker, ist es aber!!! Dazu eine Schüssel voll dampfender Sojamilch: einfach himmlisch. Wenn man früh dran ist und etwas Glück hat, bekommt man sogar statt Sojamilch noch


Dunkle Reismlich
Reismilch, was uns noch besser schmeckt. Nicht nur hier findet man sie, sondern auch in vielen der kleinen 7eleven-Shops überall. Hier allerdings dann im Tetra-Pak, gut gekühlt, erfrischend, vielleicht etwas zu süß, aber so viel besser, als das, was wir in Deutschland kaufen können. Das Geheimnis: Ihr müsst Ausschau halten nach der "Brown Rice Milk" (steht manchmal auch auf Englisch auf der Packung). Wie der Name schon sagt, wird brauner Reis verarbeitet, also ungeschält. Es gibt auch die in Deutschland bekannte Milch aus weißem Reis, die kann aber mit dem Vollkorn-Reis nicht mithalten. Der Drink ist wie eine kleine Reis-Mahlzeit und so so so lecker!

Traditionelles Frühstück
Besonders eingehen möchten wir noch auf die weiteren Frühstücksmöglichkeiten. Das ist wirklich die Mahlzeit, die sich am meisten von dem unterscheidet, was wir von zuhause gewohnt sind. Zwar findet man in den Städten zunehmend auch "westliche" Frühstück-Shops, aber meistens gibt es da entweder Omelette-Varianten oder Toasts mit Käse. In den Bäckereien und Coffee-Shops, die sich in den letzten Jahren besonders in Taipei stark ausgebreitet haben, findet man eher wenig, was an deutsches Brot erinnert, dafür ist man als Südländer ganz gut aufgehoben mit weichen, eher süßlichen Gebäcken, ähnlich der Brioches in Frankreich. Das traditionelle Frühstück der Taiwaner allerdings sieht anders aus und findet sich nur noch selten - außer bei Familien zuhause oder in einigen Hotels. Besonders wichtig hierbei ist die

Alternative Zutaten für's Frühstück
Reissuppe, für die Reis mit viel Wasser verkocht wird und dann Süßkartoffel-Ecken hinzugegeben werden. Der Geschmack ist sehr neutral, außer man beißt auf eine Kartoffel, was ein leicht süßes Aroma erzeugt. Am Frühstücksbüffet kann man dann noch drei Hauptzutaten hinzufügen, bzw. auf einem extra Teller mit an den Tisch nehmen und nach und nach mit der Suppe verspeisen: geröstete, gesalzene Erdnüsse, schlappriges Weizenprotein und/oder süßes, festes Weizenprotein und Sojaraspel. Optional dazu gibt es oft noch sehr, extrem, übertrieben gesalzenen Tofu, der in kleinsten (!) Mengen zur Suppe gegeben werden kann. Außerdem gibt es je nach Hotel noch weitere Zutaten, wie kleine eingelegte Gurkenrädchen, die knackig säuerlich schmecken, sehr salzige Eierhälften, vieles grünes Gemüse, sehr leckeren weichgekochten Weißkohl und scharf gewürzten, kleingeschnittenen Rettich. Das Frühstück ist also gesund, reichhaltig und - je nachdem, was man auswählt - gar nicht so gewöhnungsbedürftig. Zum Glück (ich mag morgens keine Suppe) kann man auch oft normalen gekochten Reis statt Suppe bekommen.


In Taiwan gibt es eine Vielzahl an Gemüsesorten, die wir aus Europa nicht kennen. Daher fehlen auch oft Übersetzungen, bzw. es gibt nur den biologischen lateinischen Begriff, aber kein offizielles deutsches oder Englisches Wort für die jeweilige Pflanze. Auch deshalb werden wir nur auf zwei Gemüse eingehen, denen wir wenigstens halbwegs sinnvolle Namen geben konnten. Besonders aber in Sachen grünes Gemüse ist die Auswahl so groß, dass nur eines hilft: probieren, probieren, probieren!






 








Langaubergine mit DER Bohne. Längliche Auberginen findet man bei uns auch ab und zu, vor allem in arabischen Geschäften. Auch die Katalanen verwenden sie hin und wieder. Der Geschmack ist ähnlich wie von "normalen" Auberginen, der Unterschied ist hauptsächlich das andere Verhältnis von Haut zu Innenteil. Traditionell wird diese Aubergine in Taiwan gekocht und dann in einer leichten Sojasoße mit eingelegten Sojabohnen (DIE Bohne) serviert. Vorsicht: Manche Restaurants geben noch Hackfleisch hinzu. Zum ersten Mal sind wir dieser Köstlichkeit auf einem Inselchen vor Taiwan begegnet - kaum ein Restaurant hat es danach geschafft, an dieses Erlebnis heranzureichen, doch für uns ist es inzwischen fast wie viele Leute über Pizza denken: Auch eine schlechte Langaubergine ist immer noch eine Langaubergine und damit lecker!!!!!

Dumplings. Eine ebenso leckerwe wie gefährliche Speise: Man sieht von außen nie, was drin ist.

Gemüse-Dumpling
Gemüse im Teigmantel











Buns. Diese gefüllten Dampfnudeln gibt es überall zu kaufen, oft auch in 7eleven. Leider ist es umso schwerer, fleischlose Exemplare zu finden. Zwar gibt es auch süße Versionen, die dann oft mit einer Sojabohnen-Creme gefüllt sind, doch die eigentlich besten Buns sind die mit Gemüse gefüllten. Sie schmecken einfach zu jeder Tages- und Nachtzeit. Wer dann noch weiß, wo sie direkt vom Hersteller zu kaufen sind, bezahlt weniger und erhält frischere Buns als anderswo, denn die meisten Stände verkaufen sie aus Warmhalte-Öfen. Wenn ihr also direkt an der Quelle kaufen möchtet, empfehlen wir euch Buns aus eigener Produktion, zum Beispiel hier (Kaohsiung). Aber auch in Taipei gibt es viele Läden mit einer großen Auswahl, zum Beispiel hier.

Feuertopf. Das Konzept des Feuertopfes ist ein bisschen wie beim Fondue, nur eben mit lokalen Gemüse-Sorten, die man selbst in einer kochenden Brühe gart und dann auf Reis genießt.








Reisdreiecke. Für den kleinen Hunger zwischendurch - vor allem, wenn die Imbissbuden gerade geschlossen sind oder es auf dem Land nichts gibt außer einem FamilyMart oder 7eleven - haben wir für uns Reisdreiecke entdeckt. Dieser in Algenblätter eingewickelte Reis ist in der vegetarischen Variante gefüllt mit geraspeltem Soja, Gemüse und teilweise Käse. Da je nach Marke die Beschreibung allerdings nur auf Chinesisch ist, mussten wir immer wieder auf den Kauf verzichten, weil niemand im Laden uns auf Englisch weiterhelfen konnte. Auch die auf unserem weniger als rudimentären Mandarin gestellte Frage, ob dieses Reisdreieck vegetarisch sei, wurde meist nur mit Schulterzucken und Lächeln beantwortet. Hilfsbereit waren sie aber allemal und haben sich mit uns vor das Kühlregal gestellt und alle Produkte durchgeschaut. Ob das Schulterzucken an unserer Aussprache lag oder ob die Angestellten einfach selbst die Produkte nicht kennen, konnten wir leider nicht herausfinden. Zum Glück gibt es Reisdreieck-Hersteller, die entweder die Beschreibung auf Englisch aufdrucken oder aber Bilder verweden: In diesen Fällen sind wir mit einer sehr leckeren und gesunden, wenn auch manchmal nicht veganen, Zwischenmahlzeit belohnt worden.


Tomaten mit Sojasoße
Tomaten. Hört sich zunächst wenig spektakülär an, aber Tomaten werden hier in einigen Regionen roh mit einer speziellen Soße angeboten, die relativ süß schmeckt, mit dem Wasser in den Tomaten aber sehr gut harmoniert und so ein rundes Geschmackserlebnis liefert.
 





Taiwanesisches Shave Ice
Shave Ice. Als wir auf Hawaii in Haleiwa das im Reiseführer hochgelobte Shave Ice probiert haben, waren wir ein bisschen enttäuscht. Nicht über den Geschmack, der war toll, sondern darüber, dass wir uns getäuscht hatten: Wir dachten immer, Taiwan sei das einzige Land der Welt, in dem Eis aus Wasser gerieben wird und dann verschiedene Toppings darüber gegeben werden. Das schöne daran ist, dass diese Art von Eis nicht nur sehr erfrischend ist, sondern auch nach Belieben vegan und in jedem Fall vegetarisch gestaltet werden kann. Der Fantasie sind bei der großen Auswahl in den meisten Eis-Lokalen kaum Grenzen gesetzt: Viele verschiedene Fruchtzubereitungen, Schokoladensoßen, Bohnencremes, und Süßigkeiten warten darauf, in allen Kombinationen probiert zu werden. Die besten Orte hierfür verraten wir euch im dritten Teil dieses Artikels.

Schwarze Erdnuss. Eine Besonderheit, die wir noch nirgends sonst gefunden haben, ist die schwarze Erdnuss. Geschmacklich ist sie nicht so weit von einer normalen Erdnuss entfernt, sie wird aber direkt in der Schale mit Salz geöstet, sodass sie natürlich, aber trotzdem leicht salzig schmeckt. Sie ist ein wenig "feuchter" als normale Erdnüsse und definitv schwerer zu finden. Man sie hin und wieder in Nusshops, die besten gibt es aber direkt vom Produzenten an der Schnellstraße von Kaohsiung nach Kenting.

Wasserbüffelmarone
Wasserbüffelmaronen. Schmecken fast wie Maronen, sehen aber viel besser aus und haben einen tollen Namen!!


Bethelnuss. Wahrscheinlich kennen alle, die schon mal in Asien waren, die Bethelnüsse. Sie werden in vielen Ländern als legales Rauschmittel angeboten, indem die schon an sich mehr oder weniger berauschende Nuss mit einer (sicherlich veganen) Kalkpaste, die auch ein paar Rauschmittel enthält, in ein Blatt gewickelt wird. Man kaut das Ganze dann, spuckt den dadurch produzierten roten Speichel aus und wir leicht dizzy.
Bethelnüsse mit Blättern und Paste
Bei meinem Versuch fand ich aber den grasigen Geschmack nach kurzer Zeit so eklig, dass ich die Nuss wieder ausgespuckt und deshalb wenig von ihrer Wirkung mitbekommen habe. Für die unteren Schichten ist das hier ein wichtiges Rauschmittel, dem auch gerne zugesprochen wird, wenn man die ganzen roten Flecken auf dem Boden sieht und die älteren Menschen mit schlechten, rotgefärbten Zähnen. Das Besondere in Taiwan sind die Verkäuferinnen, sogenannte "Bethelnut-Beauties", die meist knapp bekleidet die Nüsse verkaufen.






Paolyta. Wem es eher nach Alkohol-Rausch zumute ist, wer aber trotzdem etwas Typisches der taiwanesischen Arbeiterklasse probieren möchte, dem sei Paolyta empfohlen. Das Getränk, das eine Art alkoholisierter Energy-Drink ist, findet man eigentlich nie in den kleinen Supermärkten, sondern bei den Bethelnut-Beauties oder ähnlichen Getränke-Ständen. Wenn man es als Weißer trinkt, sind auf jeden Fall ein paar Lacher gewiss! Und wundert euch nicht, wenn das Getränk kein Einheimischer kennt, mit dem ihr euch auf Englisch unterhaltet: Gebildete Leute scheinen einen großen Bogen um Paolyta zu machen, was aber kaum am Geschmack liegen kann - der ist nämlich sehr gut, wenn man fruchtigen Kaugummi mag.

Auch in Sachen Getränke hatte Taiwan einiges Neues für uns zu bieten. So haben wir dort
Sarsaparilla entdeckt, was man bei uns ab und zu als "root beer" findet (zum Beispiel zu einem leckeren Veggie-Burger in Heidelberg). Wir kannten es aber vor Taiwan nicht und waren dort sehr begeistert, es eiskalt aus einem der Getränkeautomaten an den Toursiten-Attraktionen zu bekommen. Der Geschmack ist zwischen Kaugummi und Mundwasser beim Zahnarzt und, wenn man der Legende glauben schenken kann, war es früher einmal der Vorläufer von Cola. Es wirkt aber weniger süß und ist einfach mal eine tolle Alternative zu den vielen Litern Wasser, die man hier vor allem im Sommer trinkt.


Kaffeebohnen am Strauch
Kaffee. Taiwan ist kein wirklich traditionelles Kaffee-Land. Weder der Genuss noch der Anbau haben hier eine lange Geschichte. Aber neugierige Landwirte haben in den warmen Hängen der Gebirge inmitten der Insel in den letzten Jahren angefangen, qualitativ hochwertigen Biokaffee anzubauen. 2013 noch hat sich die Taipei Times eher kritisch über die Erfolgsaussichten geäußert. Damals hatte man den Eindruck, dass in Taiwan hauptsächlich die großen Coffeeshop-Ketten Erfolg haben würden. Inzwischen haben wir das Gefühl, dass immer mehr Taiwaner den Geschmack von hochwertigem Kaffee zu schätzen wissen und auch bereit sind, für lokale Bioprodukte höhrere Preise zu bezahlen. Geschmacklich kann es der Kaffee für unsere Begriffe längst mit dem aufnehmen, was man dort an internationalem Kaffee findet. Die besten Kaffee-Adressen findet ihr im dritten Teil des Artikels.


Tee. Wenn man in Taiwan "Tee" sagt, meint man eigentlich "Oolong". Ohne Experten in der Materie zu sein, glauben wir den Erzählungen, dass bis vor Kruzem Taiwan die weltweit einzigen Oolong-Produzenten gestellt hat. Besonders in China wird der charakteristische Geschmack geschätzt, der sich vom "normalen Schwarztee" durch seine Leichtigkeit abhebt und weniger bitter schmeckt. Inzwischen gibt es auch in China Konkurrenz, doch die bekanntesten Oolongs kommen nach wie vor aus den Bergregionen Taiwans, wo das Klima die perfekten Voraussetzungen für diesen Tee bereithält. Man erhält ihn fast überall, auch gekühlt und gesüßt im Supermarkt, und auch das Bestellen im Café ist meist problemlos, da man mit [ulong] verstanden wird. Andere Teesorten gibt es natürlich auch, Schwarztee wird hier allerdings "roter Tee" genannt. Darüber hinaus gibt es auch verschiedene Fruchtaufgüsse, die sehr lecker sind, also im Grunde Früchtetee aus frischen Früchten.
Grüntee und Schwarztee im Vergleich bei einer Teeprobe
Wertvoller, jahrelang gelagerter Schwarztee
Früchtetee aus frischen Früchten































Die besten Adressen für vegetarisches und veganes Essen und Trinken in Taiwan zeigen wir euch ab nächster Woche im dritten Teil des Artikels.

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